Es gibt zwei Arten, eine Anlagendokumentation zu verlieren. Die eine ist, sie nicht zu pflegen. Die andere ist, sie mitten im Betrieb auf eine neue Kennzeichnung umzustellen.
Was die Norm regelt – und was nicht
IEC 81346 legt die Struktur fest: = für die funktionale Zuordnung, + für den
Einbauort, − für das Produkt, : für den Anschluss. Dazu kommen die
Kennbuchstaben aus Teil 2: Q für das Schalten von Energie, F für Schutzfunktionen,
B für Sensorik, K für Signalverarbeitung.
Das ist der genormte Teil, und er ist schnell erklärt. Ungeregelt bleibt alles, was danach kommt: Wie wird gezählt? Beginnt jeder Schaltschrank bei 1 oder läuft die Nummerierung über die ganze Anlage? Gehört ein Schütz funktional zur Förderstrecke oder zum Schaltschrank, in dem es sitzt?
Genau diese Fragen entscheiden darüber, ob die Instandhaltung im Störfall etwas findet. Und genau sie beantwortet die Norm nicht.
Der teuerste Fehler: die halbe Umstellung
In gewachsenen Anlagen trifft man regelmäßig auf zwei Systematiken nebeneinander – die alte aus DIN 40719 und die neue nach IEC 81346, eingeführt bei einem Umbau und dann nie zu Ende gebracht. Der Effekt ist schlimmer als jede der beiden Systematiken für sich: Man muss beide kennen und zusätzlich wissen, wo die Grenze verläuft.
Deshalb ist unsere Empfehlung in Bestandsanlagen fast immer, die vorhandene Systematik fortzuführen, auch wenn sie nicht der aktuellen Norm entspricht. Eine konsequent durchgehaltene eigene Ordnung ist mehr wert als eine normgerechte, die nur für die Hälfte der Anlage gilt.
Umgestellt wird bei einer Neuanlage oder bei einer Migration, die ohnehin die gesamte Dokumentation anfasst – nicht nebenbei.
Was eine tragfähige Systematik ausmacht
Sie ist schriftlich festgehalten, nicht nur in den Köpfen. Sie ist so einfach, dass ein Monteur sie ohne Schulung anwenden kann. Und sie hält den Fall aus, dass die Anlage erweitert wird – wer über die ganze Anlage durchnummeriert, hat beim ersten Anbau ein Problem.
Auf einem mehrere Quadratkilometer großen Gelände haben wir für eine Kennzeichnung gesorgt, mit der sich jedes Bauteil metergenau wiederfinden lässt. Der Aufwand dafür lag nicht in der Norm, sondern in der Festlegung davor.