FISEKON GmbH – Fischer Elektrokonstruktion

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04 — Werkzeuge

Schaltschrank-Klimatisierung berechnen

Ein Schaltschrank gibt einen Teil seiner Verlustwärme über die Gehäuseoberfläche ab – wie viel, hängt von der wirksamen Fläche ab, und die hängt davon ab, wie der Schrank steht. Erst was darüber hinausgeht, muss aktiv abgeführt werden.

Eingabe

Summe der Verlustleistungen aller Einbauten.

Bestimmt die wirksame Oberfläche nach IEC 60890.

Abgedeckt, wenn eine Bühne, ein Kabelboden oder ein weiterer Schrank aufliegt.

Der Auslegungsfall – danach wird das Kühlgerät ausgewählt.

Der Regelfall – er bestimmt, wie viel das Gerät tatsächlich arbeitet.

Nachts und im Stillstand. Entscheidet über den Bedarf an einer Heizung.

Der Feuchtegehalt der Umgebungsluft im Auslegungsfall.

Ergebnis

Erforderliche KühlleistungIm Auslegungsfall
W
Kühlleistung im Regelfall
W
Wirksame OberflächeNach IEC 60890
Eigene Wärmeabgabe des Gehäuses
W
Bewertung Kühlung
Taupunkt der UmgebungsluftBei maximaler Temperatur und angenommener Feuchte
°C
Heizleistung gegen BetauungUm die Innentemperatur im Stillstand auf dem Taupunkt zu halten
W
Bewertung Betauung

Orientierungshilfe, keine normgerechte Auslegung. Maßgeblich sind die anzuwendenden Normen und die Prüfung im Einzelfall.

Rechenbeispiel

Der Standardfall, mit dem der Rechner startet – einmal durchgerechnet. Ändern Sie oben die Werte, rechnet er sofort neu.

Eingaben

Verlustleistung im Schrank
750 W
Breite
1,2 m
Höhe
2 m
Tiefe
0,6 m
Aufstellung
Freistehend, allseitig frei
Oberseite
Frei
Zulässige Innentemperatur
35 °C
Maximale Umgebungstemperatur
30 °C
Zu erwartende Umgebungstemperatur
25 °C
Minimale Umgebungstemperatur
5 °C
Anzunehmende relative Luftfeuchtigkeit
60 %

Ergebnis

Erforderliche Kühlleistung
544 W
Kühlleistung im Regelfall
338 W
Wirksame Oberfläche
7,49
Eigene Wärmeabgabe des Gehäuses
206 W
Bewertung Kühlung
Der Bedarf liegt im Bereich eines Kühlgeräts. Filterlüftung reicht nicht mehr aus, sobald die Umgebungstemperatur nah an die zulässige Innentemperatur rückt.
Taupunkt der Umgebungsluft
21,4 °C
Heizleistung gegen Betauung
675 W
Bewertung Betauung
Im Betrieb unkritisch, im Stillstand nicht: Kühlt das Gehäuse auf die minimale Umgebungstemperatur ab, liegt es unter dem Taupunkt. Eine Schaltschrankheizung mit Hygrostat verhindert den Niederschlag.

Formel

  • Wärmeabgabe: Q = k · A · ΔT mit k = 5,5 W/(m²·K) für lackiertes Stahlblech
  • ΔT = Innentemperatur − Umgebungstemperatur
  • Kühlbedarf = Verlustleistung − Wärmeabgabe
  • Freistehend: A = 1,8 · H · (B + T) + 1,4 · B · T
  • Oben abgedeckt: die Deckfläche 1,4 · B · T entfällt
  • Taupunkt nach Magnus: α = ln(φ/100) + 17,62 · t / (243,12 + t), τ = 243,12 · α / (17,62 − α)
  • Heizleistung gegen Betauung: P = k · A · (τ − minimale Umgebungstemperatur)

Annahmen und Normbezug

  • Wirksame Oberfläche nach IEC 60890 in Abhängigkeit von der Aufstellungsart.
  • k = 5,5 W/(m²·K) gilt für lackiertes Stahlblech. Bei Edelstahl liegt der Wert niedriger, bei Aluminium höher.
  • Ist die Umgebung wärmer als die zulässige Innentemperatur, ist Filterlüftung wirkungslos – dann kommt nur ein Kühlgerät infrage.
  • Die abgedeckte Oberseite wird hier vereinfacht gerechnet: die Deckfläche entfällt vollständig. IEC 60890 führt für abgedeckte Flächen eigene Zeilen mit eigenen Faktoren. Die Vereinfachung liegt auf der sicheren Seite – sie verkleinert die Fläche und vergrößert damit den errechneten Kühlbedarf.
  • Die Heizleistung ist der Wert, um das Gehäuse im Stillstand auf dem Taupunkt zu halten – eine Obergrenze. Im Betrieb schaltet ein Hygrostat, und die Verlustleistung der Einbauten heizt mit.
  • Sonneneinstrahlung, Aufstellung in Nischen und verschmutzte Filter verschlechtern das Ergebnis im Betrieb.

Häufige Fragen

Woher bekomme ich die Verlustleistung?

Aus den Datenblättern der Einbauten. Frequenzumrichter, Netzteile und Transformatoren dominieren; Schütze und Klemmen fallen kaum ins Gewicht. Als Grobwert gilt für Umrichter etwa 3 % der Bemessungsleistung.

Reicht ein Filterlüfter?

Nur wenn die Umgebungstemperatur unter der zulässigen Innentemperatur liegt – ein Lüfter kann nicht unter Umgebungstemperatur kühlen. Andernfalls braucht es ein Kühlgerät oder einen Luft-Wasser-Wärmetauscher.

Warum ist die Aufstellung so wichtig?

Eine an die Wand gestellte oder in einer Reihe eingebaute Seite gibt kaum noch Wärme ab. Zwischen freistehend und beidseitig eingereiht liegen leicht 40 % der wirksamen Fläche. Dasselbe gilt für eine abgedeckte Oberseite – eine aufliegende Bühne oder ein Kabelboden nimmt die Deckfläche aus der Rechnung.

Warum drei Umgebungstemperaturen?

Weil drei verschiedene Fragen dahinterstehen. Nach der maximalen Temperatur wird das Kühlgerät ausgewählt, sonst reicht es am heißesten Tag nicht. Die zu erwartende Temperatur sagt, wie viel das Gerät tatsächlich arbeitet. Und die minimale Temperatur entscheidet, ob eine Heizung nötig ist – dieser Fall wird am häufigsten übersehen.

Wozu die Luftfeuchtigkeit?

Aus Temperatur und relativer Feuchte ergibt sich der Taupunkt. Kühlt das Gehäuse im Stillstand unter diesen Wert ab, schlägt sich Wasser an den Bauteilen nieder. Das ist der Grund, aus dem in einer ungeheizten Anlage im Winter Korrosion auftritt, obwohl die Kühlung im Sommer ausreichend war.

Rechnen ist der einfache Teil.

Die Formel liefert eine Zahl. Die Auslegung einer Anlage verlangt darüber hinaus Verlegeart, Häufung, Selektivität, Normenlage und den Blick auf den Bestand. Genau das übernehmen wir.

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