Freitag, kurz vor Schichtwechsel. In der Produktion fällt ein Anlagenteil aus. Die Techniker sind schnell vor Ort – und dann beginnt nicht die Fehlersuche, sondern die Suche nach der tatsächlichen Verschaltung. Die Pläne sind unvollständig, Änderungen wurden über Jahre handschriftlich ergänzt oder gar nicht dokumentiert. Die Anlage steht, der Druck steigt, und niemand kann sich darauf verlassen, dass das Blatt in der Hand die Wirklichkeit zeigt.
Der Planstand läuft nicht weg, er sickert weg
Kaum eine Dokumentation veraltet in einem großen Schritt. Sie veraltet in vielen kleinen: eine Klemme dazu, ein Antrieb getauscht, eine Adresse geändert. Jede einzelne Änderung ist zu klein, um dafür eine Beauftragung auszulösen – und genau deshalb bleibt sie liegen. Nach zwei Jahren sind es fünfzig solcher Kleinigkeiten, und der Stand ist nicht mehr aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Auffällig wird das nie im Normalbetrieb. Es wird auffällig im Störfall, wenn die Dokumentation zum ersten Mal seit Monaten wirklich gebraucht wird.
Und nicht nur dann. Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen nach DGUV Vorschrift 3 setzen voraus, dass die prüfende Person den Soll-Zustand kennt, und die Betriebssicherheitsverordnung verlangt für Arbeitsmittel eine Gefährdungsbeurteilung, die sich auf eben diese Unterlagen stützt. Ein Planstand, der die Anlage nicht mehr abbildet, ist damit nicht nur unpraktisch.
Was laufende Pflege praktisch bedeutet
Der Unterschied liegt nicht in der Sorgfalt der Einarbeitung – die ist in beiden Fällen dieselbe. Er liegt darin, ob es überhaupt einen Weg gibt, eine Änderung loszuwerden, ohne dafür ein Projekt aufzusetzen.
Praktisch heißt das: Die Änderung wird gemeldet, in beliebiger lesbarer Form – Foto vom Rotstift-Eintrag, Notiz, Skizze. Eingearbeitet wird sie fachgerecht ins CAE-Projekt, mit nachvollziehbarem Änderungsstand im Schriftfeld – welche Datenfelder dort zu stehen haben, legt ISO 7200 fest. Und der aktuelle Stand liegt dort, wo ihn im Störfall jemand findet, statt in einem Postfach.
Der Maßstab ist nicht die Seitenzahl
Eine Dokumentation ist nicht dann gut, wenn sie vollständig ist. Sie ist dann gut, wenn ein Instandhalter im Störfall ohne Vorwissen findet, was er sucht. Das hängt an zwei Dingen: an einem Stand, der die Anlage abbildet, und an einer Kennzeichnungssystematik, die man nicht erst entschlüsseln muss.
Beides ist keine Fleißarbeit für ruhige Tage. Es ist die Vorbereitung auf den Freitagnachmittag, an dem es darauf ankommt.