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Veröffentlicht 14. Oktober 2026

Betriebsmittel­kennzeichnung in EPLAN richtig nutzen

Seite und Pfad sagen, wo ein Betriebsmittel im Plan steht. Funktion, Ort und Kennbuchstabe sagen, was es in der Anlage tut. Genau das wertet EPLAN aus.

„12K3“ hat einen Vorteil. Wer den Stromlaufplan erstellt hat, findet das Schütz sofort auf Seite 12, Pfad 3. Was es in der Anlage tut, verrät das Kennzeichen nicht. Zuluft oder Abluft, Heizung oder Kühlung, welches Aggregat, welche Funktion? Auf keine dieser Fragen gibt „12K3“ eine Antwort. Und genau diese Fragen stellt der Instandhalter, wenn die Anlage steht.

Seite und Pfad sind praktisch im Plan, wertlos in der Anlage

In der Gebäudeautomation ist die Kennzeichnung nach Seite und Pfad noch weit verbreitet. In einer Industrieanlage wird sie spätestens bei der ersten größeren Änderung zum Problem. Wird der Stromlaufplan umgebaut und rutscht ein Betriebsmittel auf eine andere Seite, bleiben zwei schlechte Möglichkeiten. Entweder es wird umbenannt, dann müssen Beschriftung, SPS-Programm, Visualisierung und alle weiteren Dokumente nachgezogen werden. Oder das alte Kennzeichen bleibt stehen und verweist auf eine Planstelle, an der das Gerät nicht mehr zu finden ist.

Der Unterschied lässt sich in zwei Sätzen fassen. Die Seitennummer sagt, wo man etwas im Plan findet. Die Funktionskennzeichnung sagt, was es in der Anlage macht.

Drei Zeichen, drei Fragen

Eine funktionsbezogene Kennzeichnung nach IEC 81346 trennt drei Informationen, jede mit ihrem eigenen Vorzeichen. So sieht ein bewusst vereinfachtes Beispiel aus.

=HTC1 +LR1.UFH -QM01

Zeichen Frage Im Beispiel
= Zu welcher übergeordneten Funktion gehört es? =HTC1, Heizkreis 1
+ Wo befindet es sich? +LR1.UFH, Fußbodenheizung in Raum 1
- Um welche Art von Betriebsmittel handelt es sich? -QM01, ein Schaltventil

Das Funktionskennzeichen beschreibt dabei nicht die Tätigkeit des einzelnen Geräts, sondern die Funktion, zu der es gehört. Auch eine Sicherung -FC01 im Schaltschrank gehört mit =HTC1-FC01 erkennbar zum Heizkreis 1.

Schon die Kennbuchstaben tragen Information. -QM steht für ein Gerät, das den Fluss eines Mediums schaltet, also auf oder zu. Muss das Ventil den Durchfluss regeln, wird daraus -QN. Ein Instandhalter, der die Systematik kennt, weiß damit mehr als bei „Ventil 1“, bevor er den Plan aufschlägt.

„+EXT“ ist kein Ortskennzeichen

Im Schaltschrank ist eine saubere Ortskennzeichnung nach Schrank, Feld und Montageplatte meist selbstverständlich. Draußen im Feld steht dann oft nur noch +EXT. Bei einer kompakten Maschine mag das reichen. Bei einem Hochofen, einer großen Förderanlage oder einem Standort, auf dem zwischen Schaltschrank und Feldgerät mehrere hundert Meter liegen, sagt +EXT nur, wo das Gerät nicht ist.

Ein Ortskennzeichen muss genau eine Frage beantworten. Wo muss ich hin? Wie fein die Struktur dafür sein muss, hängt von der Anlage ab. Meist reichen Gebäude, Ebene, Raum oder Anlagenbereich. Bei einer Ölförderanlage über mehrere Quadratkilometer haben wir das Gelände dagegen mit einem Koordinatensystem überzogen, gemessen von einem festen Nullpunkt aus in X- und Y-Richtung, dazu Z für die Höhenlage. Das Ortskennzeichen führte damit auf ein Raster von neun mal neun Metern. Das braucht nicht jede Anlage. Entscheidend ist, dass jemand vor Ort das Gerät findet, ohne vorher drei Kollegen anzurufen.

Struktur ist nicht dasselbe wie Beschriftung

Nicht jede Information muss auf jedem Bauteil kleben. Ist ein Schaltschrank eindeutig als +S01 gekennzeichnet, liegt alles darin bereits in diesem Bereich. Auf jede Sicherung muss nicht noch einmal +S01 gedruckt werden. Feiner unterteilt wird bei Bedarf mit +S01.F01, +S01.F02.

In der Struktur dagegen muss der Ort enthalten sein. In EPLAN lässt sich ein Kennzeichen als „beschreibend“ führen, dann wertet EPLAN es nicht zur Identifikation aus. Für den Ort ist das der falsche Weg. Steht unter derselben Anlage eine -FC01 im Schaltschrank und eine zweite -FC01 im Klemmenkasten, darf EPLAN daraus nicht ein einziges Betriebsmittel machen. Der Ort gehört also in die Struktur, nur eben nicht zwingend auf jedes Schild.

Richtig aufgebaut zahlt sich die Struktur bei Wiederholungen aus. Wird ein Bearbeitungszentrum +BZ1 ein zweites Mal gebaut, heißt es +BZ2, die Betriebsmittel darunter behalten ihre Namen und bleiben trotzdem eindeutig. Ebenso wird aus =HTC1 ein zweiter, gleich aufgebauter Heizkreis =HTC2, ohne dass ein einziges Betriebsmittel neu benannt werden muss. Genau hier spielt EPLAN seine Stärke aus, weil sich gleiche Anlagenteile so mehrfach einsetzen lassen.

Festlegen, bevor die erste Seite entsteht

Eine funktionsbezogene Kennzeichnung kostet am Anfang mehr Nachdenken als einfaches Durchnummerieren. Diese Zeit kommt zurück, bei Erweiterungen, bei der Inbetriebnahme, in SPS und Visualisierung und vor allem in der Instandhaltung, oft genau dann, wenn jede Minute zählt. Das gilt in ELCAD und WSCAD genauso wie in EPLAN. EPLAN wertet die Struktur nur am konsequentesten aus, im Guten wie im Schlechten.

Wie sich ein Kennzeichen nach IEC 81346 zusammensetzt, lässt sich mit unserem Rechner zur Betriebsmittelkennzeichnung durchspielen. Warum wir in gewachsenen Anlagen eine vorhandene Systematik eher fortführen als halb umstellen, steht in Kennzeichnung nach IEC 81346. Und in unserer EPLAN-Konstruktion ist die Kennzeichnungsstruktur der erste Schritt jedes Projekts.

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