„12K3“ hat einen Vorteil. Wer den Stromlaufplan erstellt hat, findet das Schütz sofort auf Seite 12, Pfad 3. Was es in der Anlage tut, verrät das Kennzeichen nicht. Zuluft oder Abluft, Heizung oder Kühlung, welches Aggregat, welche Funktion? Auf keine dieser Fragen gibt „12K3“ eine Antwort. Und genau diese Fragen stellt der Instandhalter, wenn die Anlage steht.
Seite und Pfad sind praktisch im Plan, wertlos in der Anlage
In der Gebäudeautomation ist die Kennzeichnung nach Seite und Pfad noch weit verbreitet. In einer Industrieanlage wird sie spätestens bei der ersten größeren Änderung zum Problem. Wird der Stromlaufplan umgebaut und rutscht ein Betriebsmittel auf eine andere Seite, bleiben zwei schlechte Möglichkeiten. Entweder es wird umbenannt, dann müssen Beschriftung, SPS-Programm, Visualisierung und alle weiteren Dokumente nachgezogen werden. Oder das alte Kennzeichen bleibt stehen und verweist auf eine Planstelle, an der das Gerät nicht mehr zu finden ist.
Der Unterschied lässt sich in zwei Sätzen fassen. Die Seitennummer sagt, wo man etwas im Plan findet. Die Funktionskennzeichnung sagt, was es in der Anlage macht.
Drei Zeichen, drei Fragen
Eine funktionsbezogene Kennzeichnung nach IEC 81346 trennt drei Informationen, jede mit ihrem eigenen Vorzeichen. So sieht ein bewusst vereinfachtes Beispiel aus.
=HTC1 +LR1.UFH -QM01
| Zeichen | Frage | Im Beispiel |
|---|---|---|
= |
Zu welcher übergeordneten Funktion gehört es? | =HTC1, Heizkreis 1 |
+ |
Wo befindet es sich? | +LR1.UFH, Fußbodenheizung in Raum 1 |
- |
Um welche Art von Betriebsmittel handelt es sich? | -QM01, ein Schaltventil |
Das Funktionskennzeichen beschreibt dabei nicht die Tätigkeit des einzelnen
Geräts, sondern die Funktion, zu der es gehört. Auch eine Sicherung -FC01 im
Schaltschrank gehört mit =HTC1-FC01 erkennbar zum Heizkreis 1.
Schon die Kennbuchstaben tragen Information. -QM steht für ein Gerät, das den
Fluss eines Mediums schaltet, also auf oder zu. Muss das Ventil den Durchfluss
regeln, wird daraus -QN. Ein Instandhalter, der die Systematik kennt, weiß
damit mehr als bei „Ventil 1“, bevor er den Plan aufschlägt.
„+EXT“ ist kein Ortskennzeichen
Im Schaltschrank ist eine saubere Ortskennzeichnung nach Schrank, Feld und
Montageplatte meist selbstverständlich. Draußen im Feld steht dann oft nur noch +EXT.
Bei einer kompakten Maschine mag das reichen. Bei einem Hochofen, einer großen
Förderanlage oder einem Standort, auf dem zwischen Schaltschrank und Feldgerät
mehrere hundert Meter liegen, sagt +EXT nur, wo das Gerät nicht ist.
Ein Ortskennzeichen muss genau eine Frage beantworten. Wo muss ich hin? Wie fein die Struktur dafür sein muss, hängt von der Anlage ab. Meist reichen Gebäude, Ebene, Raum oder Anlagenbereich. Bei einer Ölförderanlage über mehrere Quadratkilometer haben wir das Gelände dagegen mit einem Koordinatensystem überzogen, gemessen von einem festen Nullpunkt aus in X- und Y-Richtung, dazu Z für die Höhenlage. Das Ortskennzeichen führte damit auf ein Raster von neun mal neun Metern. Das braucht nicht jede Anlage. Entscheidend ist, dass jemand vor Ort das Gerät findet, ohne vorher drei Kollegen anzurufen.
Struktur ist nicht dasselbe wie Beschriftung
Nicht jede Information muss auf jedem Bauteil kleben. Ist ein Schaltschrank
eindeutig als +S01 gekennzeichnet, liegt alles darin bereits in diesem
Bereich. Auf jede Sicherung muss nicht noch einmal +S01 gedruckt werden.
Feiner unterteilt wird bei Bedarf mit +S01.F01, +S01.F02.
In der Struktur dagegen muss der Ort enthalten sein. In EPLAN lässt sich ein
Kennzeichen als „beschreibend“ führen, dann wertet EPLAN es nicht zur
Identifikation aus. Für den Ort ist das der falsche Weg. Steht unter derselben
Anlage eine -FC01 im Schaltschrank und eine zweite -FC01 im Klemmenkasten,
darf EPLAN daraus nicht ein einziges Betriebsmittel machen. Der Ort gehört also
in die Struktur, nur eben nicht zwingend auf jedes Schild.
Richtig aufgebaut zahlt sich die Struktur bei Wiederholungen aus. Wird ein
Bearbeitungszentrum +BZ1 ein zweites Mal gebaut, heißt es +BZ2, die
Betriebsmittel darunter behalten ihre Namen und bleiben trotzdem eindeutig.
Ebenso wird aus =HTC1 ein zweiter, gleich aufgebauter Heizkreis =HTC2, ohne
dass ein einziges Betriebsmittel neu benannt werden muss. Genau hier spielt
EPLAN seine Stärke aus, weil sich gleiche Anlagenteile so mehrfach einsetzen
lassen.
Festlegen, bevor die erste Seite entsteht
Eine funktionsbezogene Kennzeichnung kostet am Anfang mehr Nachdenken als einfaches Durchnummerieren. Diese Zeit kommt zurück, bei Erweiterungen, bei der Inbetriebnahme, in SPS und Visualisierung und vor allem in der Instandhaltung, oft genau dann, wenn jede Minute zählt. Das gilt in ELCAD und WSCAD genauso wie in EPLAN. EPLAN wertet die Struktur nur am konsequentesten aus, im Guten wie im Schlechten.
Wie sich ein Kennzeichen nach IEC 81346 zusammensetzt, lässt sich mit unserem Rechner zur Betriebsmittelkennzeichnung durchspielen. Warum wir in gewachsenen Anlagen eine vorhandene Systematik eher fortführen als halb umstellen, steht in Kennzeichnung nach IEC 81346. Und in unserer EPLAN-Konstruktion ist die Kennzeichnungsstruktur der erste Schritt jedes Projekts.