In vielen Werken hängt die Elektrodokumentation der Bestandsanlagen in ELCAD. Neue Maschinen kommen dagegen fast immer mit EPLAN-Projekten, und Kunden oder Konzernvorgaben verlangen zunehmend EPLAN Electric P8. Spätestens bei der nächsten größeren Erweiterung stellt sich deshalb die Frage, ob die Anlage im alten System bleibt oder ob jetzt der richtige Zeitpunkt für den Umstieg ist.
Wir arbeiten in ELCAD, EPLAN und WSCAD. Aus dieser Sicht ist die ehrliche Antwort selten ein klares Entweder oder.
Die Frage ist selten, welches System besser ist
Mit beiden Systemen lassen sich normgerechte Stromlaufpläne, Klemmenpläne und Kabellisten erstellen. Wer jahrelang sauber in ELCAD dokumentiert hat, besitzt eine brauchbare Dokumentation, auch wenn das System nicht mehr das Neueste ist. Ein Wechsel allein macht schlechte Pläne nicht besser.
Entscheidend sind andere Fragen. Wer kann die Pläne in fünf oder zehn Jahren noch bearbeiten? Welches Format verlangen Ihre Kunden und Lieferanten? Und wie viel Arbeit steckt im Bestand, der irgendwann mitgenommen werden muss?
Was für den Umstieg auf EPLAN spricht
Der häufigste Grund ist nicht die Technik, sondern die Kapazität. Konstrukteure, die ELCAD sicher bedienen, werden weniger, und wer neu in den Beruf kommt, hat in aller Regel EPLAN gelernt. Mit jedem Ruhestand im eigenen Haus wird es schwerer, den ELCAD-Bestand zu pflegen.
Dazu kommen äußere Vorgaben. Viele Maschinenbauer und Konzerne verlangen die Dokumentation als EPLAN-Projekt, weil sie ihre eigene Instandhaltung darauf aufbauen. Und für EPLAN stehen Artikeldaten vieler Hersteller fertig bereit, was den Aufbau eines Artikelstamms beschleunigt.
Was dafür spricht, beim Bestand zu bleiben
Nicht jede Anlage muss nach EPLAN. Eine Anlage, an der sich über Jahre kaum etwas ändert, kann gut im alten System bleiben, solange jemand die wenigen Änderungen sauber einpflegt. Eine Migration kostet Zeit, und diese Zeit lohnt sich vor allem bei Anlagen, die erweitert, häufig geändert oder neu gebaut werden.
Deshalb ist ein gestuftes Vorgehen oft am wirtschaftlichsten. Neue Projekte entstehen von Anfang an in EPLAN. Bestandsanlagen werden überführt, wenn ohnehin eine größere Änderung ansteht. Bis dahin wird der Bestand in ELCAD weiter gepflegt, auch von außen, wenn im Haus niemand mehr Zeit dafür hat.
Lassen sich ELCAD-Projekte nach EPLAN konvertieren?
Teilweise. Es gibt Werkzeuge, die ELCAD-Schaltpläne in EPLAN-Projekte konvertieren. Sie sparen Zeichenarbeit, ersetzen aber keine Prüfung. Nach der Konvertierung müssen Querverweise, Artikelbezug, Klemmen und Kabel stimmen, sonst liefern Klemmenplan, Kabelliste und Stückliste falsche Ergebnisse.
Die Auswertungen sind deshalb der beste Prüfstein. Ein konvertiertes Projekt ist erst fertig, wenn seine Listen zum Bestand passen. Ob sich die Konvertierung lohnt oder eine strukturierte Neuaufnahme wirtschaftlicher ist, hängt vom Umfang der Anlage und vom Zustand der Unterlagen ab. Das zeigt sich am zuverlässigsten, wenn zuerst eine typische Anlage überführt und geprüft wird.
Erst der Standard, dann die Altprojekte
Der teuerste Fehler bei einem Umstieg ist, mit dem ersten konvertierten Projekt anzufangen. Wer den EPLAN-Standard erst während der Übertragung entwickelt, überträgt jede Unklarheit mit, und jedes weitere Projekt vervielfältigt sie.
Am Anfang stehen deshalb Kennzeichnungsstruktur, Artikelstamm, Makros, Formulare und Seitenaufbau. Bei dieser Gelegenheit lässt sich auch klären, ob die bisherige Kennzeichnung übernommen oder auf IEC 81346 umgestellt wird. Eine Migration fasst die Dokumentation ohnehin vollständig an, einen besseren Zeitpunkt dafür gibt es nicht. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zur Kennzeichnung in EPLAN.
Und was ist mit WSCAD?
Für WSCAD gelten dieselben Überlegungen. Auch hier kann der Bestand im System bleiben, solange er gepflegt wird, und auch hier beginnt ein Umstieg mit dem Standard. Einen Konverter, auf den wir uns verlassen würden, setzen wir für WSCAD nicht voraus. WSCAD-Projekte nehmen wir strukturiert in EPLAN neu auf, auf Grundlage der vorhandenen Pläne, Stücklisten und Klemmenpläne.
Unser Vorgehen
Wir sichten zuerst den Bestand und legen fest, was überführt werden muss, was warten kann und was im alten System bleiben darf. Danach bauen wir den EPLAN-Standard auf oder übernehmen Ihren vorhandenen, überführen eine erste Anlage und entscheiden mit Ihnen, welcher Weg sich für den Rest lohnt. Den Bestand in ELCAD oder WSCAD pflegen wir bis zur Umstellung weiter.
Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt unsere Seite zur Migration nach EPLAN. Wenn Sie zunächst nur Hilfe bei der Pflege Ihres Bestands brauchen, finden Sie das unter ELCAD-Konstruktion und WSCAD-Konstruktion. Für neue Projekte in EPLAN unterstützen wir Sie mit EPLAN-Konstruktion als Dienstleistung.