In vielen Webereien und Spinnereien stehen die Maschinen in langen Reihen. Zwanzig, dreißig, manchmal mehr Maschinen derselben Bauart, angeschlossen an eine Hallenverteilung, die mit jeder Erweiterung ein Stück gewachsen ist. Die Pläne dazu liegen oft noch auf Papier, und nicht jede Änderung der letzten Jahrzehnte hat es hineingeschafft. Wer hier modernisiert, plant gegen zwei Gegner gleichzeitig, den unklaren Bestand und die laufende Produktion.
Erst der Bestand, dann die Maschine
Bevor die erste Maschine angefasst wird, steht die Aufnahme. Welche Unterverteilung versorgt welche Reihe, wo liegen Stromschienen und Abgänge, was hängt an welcher Sicherung? Die alten Papierpläne werden dabei mit der Halle abgeglichen und in eine digitale Dokumentation überführt, die sich danach pflegen lässt. Wie das abläuft, steht unter Altpläne digitalisieren.
Erst mit diesem Stand lässt sich verlässlich sagen, welche Maschinen sich gemeinsam umbauen lassen und welche Abschnitte der Halle dabei weiterlaufen können.
Zwanzig gleiche Maschinen, eine Vorlage
Der größte Hebel in der Textilindustrie liegt in der Wiederholung. Wo viele Maschinen derselben Bauart stehen, lohnt sich eine saubere Vorlage einmal und spart danach bei jeder einzelnen Maschine. Makros für die Maschine, ihre Einspeisung und ihre Anbindung an die Steuerung machen aus zwanzig Einzelzeichnungen ein System.
Dazu gehört eine einheitliche Kennzeichnung, damit die Instandhaltung in jeder Maschine dieselbe Logik wiederfindet. Warum wir in Bestandsanlagen die vorhandene Systematik meist fortführen, statt sie zu ersetzen, steht in Kennzeichnung nach IEC 81346.
Staub und Wärme im Schaltschrank
Faserflug ist der stille Gegner jedes Schaltschranks in der Textilindustrie. Lüfter mit Filtermatten ziehen Fasern an, die Filter setzen sich zu, die Temperatur im Schrank steigt. Neue Antriebe mit Frequenzumrichtern geben zudem mehr Wärme ab als die alte Technik. Wie viel Wärme ein Gehäuse abführen muss und ob Lüfter noch reichen oder ein geschlossenes Kühlkonzept besser ist, lässt sich vorab rechnen, zum Beispiel mit unserem Rechner zur Schaltschrank-Klimatisierung.
Mehr Umrichter, anderes Netz
Werden viele Maschinen auf moderne Antriebe umgestellt, ändert sich auch das Bild im Netz der Halle. Umrichter erzeugen Oberschwingungen und verändern den Blindleistungsbedarf. Eine Kompensationsanlage, die vor zwanzig Jahren für Asynchronmotoren am Netz ausgelegt wurde, passt dann womöglich nicht mehr. Eine erste Einordnung gibt unser Rechner zur Blindleistungskompensation. Kommt eine neue Einspeisung hinzu, gehört auch der Kurzschlussstrom auf den Prüfstand, wie im Beitrag Anfangs-Kurzschlusswechselstrom oder Stoßkurzschlussstrom beschrieben.
Reihe für Reihe umbauen
Ob eine Modernisierung ganz ohne Stillstand gelingt, hängt von der Halle ab. Planen lässt sich aber der Zuschnitt. Wir legen die Umbauschritte so fest, dass immer nur eine Maschinengruppe steht und der Rest weiterproduziert. Jede Gruppe bekommt dabei dieselbe Vorlage, dieselbe Kennzeichnung und dieselbe Dokumentation. Am Ende hat die Halle nicht nur neue Antriebe, sondern Unterlagen, auf die sich die Instandhaltung verlassen kann.
Wie wir Bestandsanlagen insgesamt angehen, steht unter Modernisierung von Bestandsanlagen.




